Heilkräuter Mazerat selber machen

Ein Mazerat ist ein Pflanzenauszug, bei dem die fettlöslichen Wirkstoffe aus der Pflanze in ein Trägeröl übertragen werden. So können wir das Öl in der Hausapotheke oder in unseren DIY Naturkosmetik Rezepturen verwenden.

 

Das wahrscheinlich bekannteste Mazerat ist das Rotöl aus Johanniskrautblüten. Dabei wird das frische oder getrocknete Pflanzenmaterial in Öl eingelegt mit dem Ziel, die lipophilen also fettlöslichen Inhaltsstoffe aus der Pflanze „herauszuziehen“ und im Öl nutzbar zu machen.

 

Es gibt dazu zwei Auszugsverfahren, die ich weiter unten im Text näher erläutern möchte. 

 

 

Das verwendete Pflanzenmaterial wird übrigens auch Droge genannt. Natürlich solltest du wissen, welche Pflanze und auch welchen Teil der Pflanze du verarbeitest und welche Wirkung du damit erreichen möchtest. Hast du frisches oder getrocknetes Pflanzenmaterial zur Verfügung?

 

Wenn du frisches Pflanzenmaterial verwendest, besteht eine gewisse Gefahr, dass sich Schimmel bildet. Schimmel braucht Wasser, um zu wachsen und das ist natürlich in frischen Pflanzen ausreichend vorhanden. Schimmerlbildung kannst du am besten verhindern, indem du ausschließlich getrocknetes Pflanzenmaterial verwendest oder mit dem Warmverfahren.

 

Bei der Verarbeitung von frischen Pflanzenteilen (wie es beispielsweise bei Johanniskrautblüten traditionell gehandhabt wird) solltest du das Glas vor dem Ansetzen auskochen und drauf achten, dass dein Pflanzenmaterial möglichst trocken (und frei von Morgentau) ist. Ebenso solltest du dein Mazerat genau beobachten und nach dem Filtern maximal 6 Wochen verwenden und danach entsorgen. Stelle also nur so viel her, wie du in 6 Wochen verbrauchen kannst. 

 

Bei frischem Pflanzenmaterial ist ein Warmauszug besser geeignet, da das Wasser die Möglichkeit hat zu verdampfen.

 

Für Mazerate können im Grunde alle Teile der Pflanze verwendet werden, allerdings sind die Wirkstoffe nicht in jeder Pflanze gleich verteilt. Beim Johanniskraut Mazerat benötigen wir für das klassische Rotöl nur die Blüten.

 

 

Welches Trägeröl ist für meinen Ölauszug geeignet?

 

Als Trägeröl sollte man ein Öl verwenden, das recht oxidationsstabil, also lange haltbar ist und nicht schnell ranzig wird. Meist werden Jojobaöl, Olivenöl oder Sesamöl verwendet. Achte hier auf Frische und eine gute Qualität, möglichst aus Kaltpressung und gerne auch aus kontrolliert biologischem Anbau. 

 

Einen Kaltauszug herstellen: 

 

Benötigtes Equipment

 

·      Desinfiziertes Schraubglas

·      Dunkle Flasche

·      Etikett

 

Herstellungsanleitung

 

1.     Das Pflanzenmaterial von braunen Stellen befreien und etwas zerkleinern bzw. „anmörsern“ (nicht zu klein Mörsern, das Pflanzenmaterial sollte später noch gut zu filtern sein)

2.     Das Pflanzenmaterial in ein sauberes, desinfiziertes Schraubglas geben und komplett mit dem Trägeröl bedecken.

3.    10-14 Tage (Frischpflanzen) bzw. 4-6 Wochen (getrocknete Pflanzen) bei Raumtemperatur stehen lassen und das Glas täglich bewegen, sodass das gesamte Öl immer wieder mit den Pflanzteilen in Kontakt kommt.

4.    Nach Ende der Auszugszeit durch einen Kaffeefilter geben, eventuell wiederholen bis keinerlei Schwebeteile mehr im Öl zu erkennen sind.

5.    Das Mazerat in eine desinfizierte (oder ausgekochte) dunkle Flasche geben und mit Datum, Trägeröl und ausgezogener Pflanze beschriften und kühl lagern

 

 

Warmauszug

 

Benötigtes Equipment:

 

·      Desinfiziertes Becherglas oder feuerfestes Glas

·      Topf für’s Wasserbad

·      (Braten-)Thermometer

·      weiteres desinfiziertes Glas

·      Kaffeefilter oder Leinentuch

·      Küchentuch und Gummi

·      Dunkle Flasche

·      Etikett

 

Herstellungsanleitung

 

1.     Das Pflanzenmaterial von braunen Stellen befreien und etwas zerkleinern bzw. „anmörsern“ siehe oben

2.     Das Pflanzenmaterial in ein sauberes, desinfiziertes hitzefestes Glas (gerne ein Becherglas) geben und komplett mit dem Trägeröl bedecken. Das Verhältnis von Pflanzenmaterial zu Öl sollte hier ca. 1:2 sein

3.    Öl mit Pflanzen 2-3 Stunden bei ca. 60 Grad im Wasserbad ziehen lassen, die Temperatur dabei mit einem Bratenthermometer kontrollieren

4.    Danach das Öl noch einmal mit Küchenkrepp, das mit einem Gummi am Glas befestigt ist, für 24 Stunden ruhen lassen

6.    Nach Ende der Auszugszeit durch einen Kaffeefilter geben, eventuell wiederholen bis keinerlei Schwebeteile mehr im Öl zu erkennen sind.

7.     Den Ölauszug in eine desinfizierte (oder ausgekochte) dunkle Flasche geben und mit Datum, Trägeröl und ausgezogener Pflanze beschriften und kühl lagern

 

Haltbarkeit (das Trägeröl sollte um einiges länger haltbar sein als das Mazerat)

 

·      Mazerat aus getrockneten Pflanzen: maximal 12 Monate

·      Warmauszug aus frischen Pflanzen: maximal 3 Monate

·      Kaltauszug aus frischen Pflanzen: maximal 6 Wochen

 

 

Anwendungsmöglichkeiten:

 

In Salben und Balsamen, bzw in einer Emulsion verarbeitet (ein Mazerat gehört rechnerisch zur Fettphase, wird aber erst in der Cool-Down-Phase bei Raumtemperatur verarbeitet), oder pur aufgetragen wie beispielsweise als

 

·      Baby –Massageöl:  Lavendel in Mandelöl

·      Vanille-Duftöl für Lippenpflege: Vanille-(Schote) in Rizinusöl

·      Beruhigendes Hautöl: Calendula (Ringelblume) in Jojobaöl

·      Beruhigendes Rotöl bei Wunden: Johanniskraut in Jojobaöl

Beitrag von Martina Gräf 

  • Diplom Betriebswirtin (FH)
  • ausgebildete Kosmetikerin
  • Inhaberin der Martina Gräf Naturkosmetik Akademie
  • Host des Beauty Dschungel Business Podcast 
  • Gründerin der DIY Naturkosmetik Tage

www.martinagraef.de